Überall liest und hört man gerade von der „Male Loneliness Epidemic“. Männer seien einsam, abgehängt, ohne Nähe, ohne Beziehung, ohne Sex. Das klingt für mich schräg, denn es gibt in den relevanten Altersgruppen hier etwa gleich viele Frauen wie Männer, aber vielleicht fühlen sich Singlemänner ja einsamer… deshalb der Text:

Jetzt kann ich euch nicht erklären, wie ihr Frauen allgemein begeistert, aber ich will hier darauf eingehen, warum ich persönlich bestimmte Männer begehre und andere nicht. Und wir reden dabei ausdrücklich nicht von den Arschlöchern, nicht von den kompletten Egozentrikern und nicht von denen, die nur Sex suchen. Die sind meist schnell aussortiert und verursachen somit nicht viel Stress. Wir reden heute darüber, warum die „netten Männer“ so oft Single sein könnten.

Bevor man Dating-“Erfolge” analysiert, sollte man sich vielleicht eine ehrlichere Frage stellen: Habe ich überhaupt Lust eine andere Person kennenzulernen? Und ich meine das wörtlich. Nicht jemanden finden, nicht jemanden haben, nicht eine Beziehung führen, sondern einen Menschen tatsächlich kennenlernen. Mit Interesse, mit Neugier, mit der Bereitschaft, sich irritieren zu lassen, enttäuscht zu werden, auch mal nicht zu passen. Wenn nicht ist das nicht verwerflich, dann sollte man sich halt sein Singleleben gemütlich einrichten.

Ich erwähne das zu erst, weil viele dieser „netten Männer“ den Eindruck erwecken, sie gehen ins Dating mit der stillen Annahme, dass im Grunde jede passen würde, solange sie nicht unhöflich, gemein oder ausnutzend ist. Und genau das ist der Punkt, an dem kein Kennenlernen mehr stattfindet. Wer so denkt, will keinen Menschen entdecken, sondern nicht mehr allein sein und das macht mich in diesem Gespräch zu 100% austauschbar. Beim Dating erwarte ich etwas anderes: echtes Interesse an mir als Person. Dass man fragt, zuhört, nachhakt, sich für meine Gedanken, Gefühle, Beweggründe, meine Sicht auf die Welt, meine Hobbys und meine Geschichte interessiert, dass heißt nicht alles teilt oder immer zustimmt, sondern mich als Mensch spannend findet. Das biete ich selbst genauso an. Ich erwarte nur, was ich auch gebe. Was ich nicht erwarte - weder von Männern noch von Frauen - ist Rettung, Therapie, ein Ritter auf weißem Ross oder ein Ratsschlaggeber. Wer mich retten will, ist raus. Beziehung beginnt für mich bei Gleichrangigkeit und Augenhöhe, wer Bedürftigkeit sucht ist raus.

Da es ja beim Dating für romantische Beziehungen auch um Körperlichkeiten geht, werde ich auch dazu was sagen. Wer sich selbst nicht als grundlegend begehrenswert denkt, kann schwer erwarten, dass im Gegenüber Begehren entsteht. Ich erwarte nicht, dass ein Mann sich selbst großartig findet oder sich permanent feiert. Aber ich erwarte, dass er grundsätzlich davon ausgeht, dass er begehrenswert sein könnte. Dass sein Körper wirken darf. Dass sein Charakter, seine Lebensgeschichte, seine Eloquenz für so spannend sein können, dass ich ihn haben will. Ohne dieses innere Ja wird Dating schnell zu Bewerbungsgespräch, Beziehung zu Dankbarkeit und Sex zu etwas, das man sich erarbeiten muss und nichts das aus beidseitiger Lust aufeinander entsteht. Besonders wichtig ist mir aber auch, dass mein Datinggegenüber sich selbst genug wert um eine Wahl zu treffen und nicht den “Spatz in der Hand” zu akzepieren, das beleidigt beide Betreiligten. Spätestens wer behauptet verliebt zu sein, sollte die andere Person als unersetzlich wahrnehmen.

Bevor es zur härtsten Grenze kommt, gibt es für mich weitere klare No-Gos. Sprache gehört dazu. Wie jemand über Frauen spricht, über sich selbst spricht, über (frühere) Beziehungen spricht, über Menschen in der Gesellschaft spricht, ist kein Nebenschauplatz, sondern zeigt Haltung des Gegenübers. Dauerndes Jammern darüber, dass Frauen nur Arschlöcher wollen oder dass man selbst immer übersehen wird, ist mal ok, aber halt mit reflektierten Gedanken dazu. Und dann gibt es noch diesen Satz: „Ich habe das nicht so gemeint.“ Der gilt genau einmal. Einmal kann man sich ungenau ausdrücken, einmal kann man danebenliegen. Ab dem zweiten Mal ist es keine Ungenauigkeit mehr, sondern Verantwortungslosigkeit. Wer etwas wirklich nicht so gemeint hat, und über die negativen Folgen seiner Worte aufgeklärt ist, hat mit nochmaliger Verwendung von “Ich hab das nicht so gemeint”, den Zonk gezogen.

Und selbst wenn all das gegeben ist, also echtes Interesse, Augenhöhe, die Fähigkeit, sich selbst als begehrenswert zu denken, reflektierte Sprache… gibt es eine Grenze, an der alles sofort endet. Härter als jede andere. Wenn ich Nein sage, dann ist das Nein absolut. Wenn ich sage, meine Telefonnummer gebe ich noch nicht raus, dann ist das keine Einladung zum Nachverhandeln. Wenn ich sage, ein Treffen ist in den nächsten Wochen nicht drin, dann ist das keine Aufgabe, mich umzustimmen. Wer über solche Grenzen hinweggeht, verliert in diesem Moment jede Möglichkeit auf Nähe. Ich begebe mich nicht allein in einen Raum mit einer Person, die ein Nein relativiert, umspielt oder ignoriert.

Meine Schlussfolgerung: Es geht am Ende nicht darum, wer sich als “nett” definiert, sondern um Ehrlichkeit. Ehrlichkeit darüber, ob man einen Menschen kennenlernen möchte oder eine Rolle besetzen will, ob man momentan überhaupt den Nerv dafür hat sich auf eine Person komplett einzulassen. Und Ehrlichkeit darüber, ob man sich selbst genug wert ist, eine Wahl zu treffen und damit auch den anderen ernst nimmt.

  • TheTiltster@feddit.org
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    4 months ago

    Ein Aspekt der Male Loneliness Epidemic ist auch und vor allem, wie wir unsere Freizeit verbringen. Klassische Dritte Orte sind in den letzten 100 Jahren langsam, aber schleichend immer weniger geworden. Das hat natürlich wiederum viel mit unserem Freizeitverhalten und dem dazugehörigen Angebot zu tun. Seit es das Radio gibt, muss man sich nicht mehr zwangsläufig mit anderen treffen, um Musik zu machen oder in ein Konzert zu gehen. Seit es das Fernsehn gibt, muss ich auch nicht mehr ins Stadion gehen, um mir ein Spiel anzugucken. Dann kam das Internet und jetzt kann ich das alles und noch viel mehr haben, ohne überhaupt das Haus zu verlassen. Und mit Smartphones haben wir mittlerweile sogar auf dem Klo kompletten Empfang.

    Mittlerweile spürt man diesen Rückzug immer mehr. Egal in welchem Bereich, Dritte Orte verzeichnen insgesamt einen Beteiligungsrückgang. Seien es Vereine, Hilfsorganisationen, politische Parteien, you name it. Dadurch schrumpft nicht nur die aktive Zivilgesellschaft, sondern auch schlicht unser soziales Miteinander. Soziale Kontakte übers Internet oder über Messanger sind einfach was anderes als reale Begegnungen und vor allem Berührungen.

  • antilles@feddit.org
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    4 months ago

    Kennenlernen kommt viel zu kurz. Ich habe den Eindruck es gibt nur noch 0 oder 1. Wenn von Anfang an das Ziel ist, den Partner fürs Leben zu finden, kann man doch nur unglücklich werden. Liebe kann plötzlich da sein, ja, aber öfter braucht es einfach Zeit.

    Sich als nett zu bezeichnen, nur weil man kein Arschloch ist, heißt noch lange nicht, dass man Beziehungsfähig ist.

    Es gibt sicher auch genau so viel Frauen die ungewollt alleine sind, diese können aber vielleicht besser damit umgehen?

    Schade um alle, die dieser Umstände wegen aufgeben und sich nicht finden. Hoffentlich bleibt das nur eine Episode auf dem langen Weg der Emanzipation.

    • Jemand@feddit.orgOPM
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      4 months ago

      Wenn von Anfang an das Ziel ist, den Partner fürs Leben zu finden, kann man doch nur unglücklich werden. >

      Danke für deine Antwort. ja das ist der große Punkt. Wenn sich Leute beschweren in der Friendzone gelandet zu sein, dann war das Interesse am anderen wohl nur als Parterperson/Sexparterperson da.

      Es gibt sicher auch genau so viel Frauen die ungewollt alleine sind, diese können aber vielleicht besser damit umgehen?>

      Das finde ich auch ein sehr wichtiges Thema, ich hab auch dazu schon Gedanken angehäuft, aber mehr Fragen wie Antworten. Ich werde das die Tage mal posten.

      Danke dir auf jeden Fall für deine Gedanken zum Thema.

      • antilles@feddit.org
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        4 months ago

        Danke für deinen Anstoß. Ein sehr komplexes Thema das nicht durch einfache Antworten geklärt werden kann. Hier braucht es Dialog und Diskussion.

        • Jemand@feddit.orgOPM
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          4 months ago

          Ich denke da hast du völlig recht. Das ist ein Thema das in möglichst vielen Köpfen gewälzt werden wollte. Ohne gesellschaftliche Debatte keine Veränderung.

  • Melchior@feddit.org
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    5
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    4 months ago

    Das Problem der Male Loneliness Epidemic ist eigentlich noch viel größer als nur romantische Beziehungen. Mittlerweile haben viele Männer gar keine Freunde mehr. Wenn man aber von niemanden außer vielleicht der Familie positives zu einem hört, dann braucht man ein wirklich starkes Selbstbewusstsein um damit klar zu kommen und das haben die wenigsten.

    Dazu kommt dann noch, dass das traditionelle Männerbild halt von jemanden ist, der selbstständig praktisch alle Probleme lösen kann und keine Hilfe braucht. Das funktioniert halt nur in der echten Welt nicht richtig. Man braucht halt mal Hilfe und man ist mal bedürftig. Dazu hat man eigentlich Beziehungen zu anderen sei es Freundschaft, Familie oder halt Partnerschaft die einem helfen. Wenn da aber die Freundschaft fehlt, dann muss man sich halt entweder bei der Familie hilfe suchen(was auch nicht immer geht) oder man braucht halt einen Partner.

    Dann kommt halt das man nimmt die erst beste die man kriegen kann. Damit hat man praktisch die Probleme die du beschreist. Warum jemanden kennen lernen, wenn man mit irgendwem zufrieden ist und natürlich will man der tolle Retter sein der super viel hilft, man will die Frau ja rumkriegen. Das funktioniert natürlich nicht wirklich gut.

    Außerdem “Ich hab das nicht so gemeint” muss mehr als einmal funktionieren. Wenn du forderst, dass Männer sich selber auch für begehrenswert halten sollen, dann sagst das gewisse Männer sowieso keine Chance bei Frauen haben um dann dich darüber aufzuregen, dass diese Männer sich selbst für wenigstens etwas begehrenswert zu halten und anfangen über Frauen zu jammern. Da kommt jetzt gleich “Ich hab das nicht so gemeint” und genau deshalb ist der Satz so wichtig.

    • Jemand@feddit.orgOPM
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      4 months ago

      Das Problem der Male Loneliness Epidemic ist eigentlich noch viel größer als nur romantische Beziehungen. Mittlerweile haben viele Männer gar keine Freunde mehr. Wenn man aber von niemanden außer vielleicht der Familie positives zu einem hört, dann braucht man ein wirklich starkes Selbstbewusstsein um damit klar zu kommen und das haben die wenigsten.>

      Dazu kommt dann noch, dass das traditionelle Männerbild halt von jemanden ist, der selbstständig praktisch alle Probleme lösen kann und keine Hilfe braucht. Das funktioniert halt nur in der echten Welt nicht richtig. Man braucht halt mal Hilfe und man ist mal bedürftig. Dazu hat man eigentlich Beziehungen zu anderen sei es Freundschaft, Familie oder halt Partnerschaft die einem helfen. Wenn da aber die Freundschaft fehlt, dann muss man sich halt entweder bei der Familie hilfe suchen(was auch nicht immer geht) oder man braucht halt einen Partner.>

      Bei dem Teil sind wir quasi komplett einer Meinung und ich will da auch noch mehr Texte dazu veröffentlichen, allerdings nicht halbgar und weil ich grad umziehe, könnte das noch dauern. Ich hab zum Thema Selbsttragfähigkeit schon was, aber das hat mehr Fragen als sonstwas.

      Außerdem “Ich hab das nicht so gemeint” muss mehr als einmal funktionieren. Wenn du forderst, dass Männer sich selber auch für begehrenswert halten sollen, dann sagst das gewisse Männer sowieso keine Chance bei Frauen haben um dann dich darüber aufzuregen, dass diese Männer sich selbst für wenigstens etwas begehrenswert zu halten und anfangen über Frauen zu jammern. Da kommt jetzt gleich “Ich hab das nicht so gemeint” und genau deshalb ist der Satz so wichtig.>

      Da hab ich schon mehr brauchbares, in dem ich genauer erkläre was ich meine, das werde ich heute abend oder morgen mal posten. Ja, das hatte ich hier zu kurz gestreift, das gebe ich zu.

      Danke, dass du deinen Blickwinkel hier geteilt hast.

    • antilles@feddit.org
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      4 months ago

      Wir kommen hald immer mehr darauf, dass das traditionelle Männerbild (wie auch von Frauen, Familien etc) nicht mehr zeitgemäß ist und jetzt haben wir einen starken Mangel an Vorbildern. Vorbilder die dringend nötig sind. Für viele ists vermutlich schon zu spät, die haben sich auf der Suche nach Guidance wohl verlaufen.

  • pizzamann2472@feddit.org
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    10 days ago

    Alles was du schreibst, stimmt grundsätzlich. Dennoch mal eine kleine Gegenposition zu einigen Thesen.

    Denn es gibt in den relevanten Altersgruppen hier etwa gleich viele Frauen wie Männer

    Die Annahme ist schonmal nicht korrekt. Wenn von der “Male Loneliness Epidemic” gesprochen wird, dann geht es ja vor allem um junge Männer. In den jungen Altersbereichen bis in die 30er gibt es aber tatsächlich einen Männerüberschuss von etwa 5 Prozentpunkten in Deutschland. Klingt erstmal nach nicht sooo viel, aber es gibt noch Effekte, die das verstärken.

    Zum einen verstärken sich diese 5 Prozent, wenn man nur die Singles betrachtet. Betrachten wir mal 105 Männer und 100 Frauen, also 5 Prozent Männerüberschuss. Wenn jetzt 50 der Frauen mit 50 der Männer in eine Beziehung gehen, dann bleiben noch 55 Männer und 50 Frauen als Singles übrig, also auf einmal 10% mehr Männer. Je geringer die Singlequote, desto stärker wird der Effekt, weil sich der absolute Männerüberschuss relativ auf eine immer kleinere Gruppe verteilt. Dadurch ist der Effekt vor allem ab Mitte bis Ende 20 relevant, weil dann immer mehr Menschen in einer langfristigen Beziehung sind.

    Zum anderen konkurriert man als junger Mann mit älteren Männern, denn die meisten Frauen daten eher ältere als jüngere Männer. Viele Männer bevorzugen auch eher jüngere Frauen. Die Frau in den 20ern dated daher durchaus auch mal Männer in den 30ern. Umgekehrt daten aber kaum Frauen in den 30ern Männer in den 20ern. Als Mann in den 20ern kann man aber nicht so weit jünger Daten, weil man dann schnell in einem minderjährigen Bereich landet. Durch diesen Effekt ist bei Frauen tatsächlich in den 20ern und 30ern die Singlequote geringer als bei Männern, selbst wenn man den oben beschriebenen Männerüberschuss rausrechnet. Insbesondere Anfang 20 ist der Effekt stark.

    Unterm Strich kann man also sagen, dass es in jüngeren Altersbereichen tatsächlich rein mathematisch gar nicht für jeden Mann eine Partnerin gäbe, es müssen zwangsläufig einige Prozent der Männer leeraus gehen. Da ist ein Männerüberschuss und Frauenmangel. Das ganze kann regional auch noch stark schwanken, insbesondere in ländlichen Regionen ist der Männerüberschuss oft nochmals stärker, in größeren Städten ist er oft geringer.

    Und hier muss man sich dann auch einfach mal fragen, ob das nicht auch einer der Gründ dafür sein kann, dass Frauen es sich eher mal “gemütlich in ihrem Single-Dasein” machen und viele Männer auf Krampf ohne Ansprüche suchen:

    Viele junge Frauen machen die Erfahrung: da sind genügend Single-Männer für mich da. Ich kann jetzt auch mal pausieren oder es ruhiger angehen, oder ein paar Männern einen Korb geben. Sobald ich möchte, kann ich weiter daten und schauen, ob es mit einem davon passt.

    Viele junge Männer machen dagegen die Erfahrung: Single-Frauen sind rar und haben dadurch auch eine gewisse Auswahl. Wenn ich mal das Glück habe und eine treffe, und die hat sich noch Interesse an mir: dann kann ich nehmen, wer da gerade so kommt, oder die nächste Chance lässt vermutlich wieder lange auf sich warten.

    Natürlich geht man dann jeweils mit einem ganz anderen Mindset ans Dating heran.

    • Jemand@feddit.orgOPM
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      10 days ago

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar.

      Den demografischen Teil finde ich sehr wahrscheinlich. Es erscheint mir als Erklärung für bestimmte Dating-Dynamiken plausibel.

      Ich glaube aber, dass wir an einem Punkt etwas Unterschiedliches meinen. Mein Text richtet sich weniger gegen die Existenz solcher strukturellen Effekte als gegen den Begriff der “Male Loneliness Epidemic”. Aus einer schwierigeren Partnersuche (besonders in der jungen Erwachsenenphase) folgt für mich noch keine Epidemie der Einsamkeit.

      Gerade dein letzter Abschnitt beschreibt für mich eher unterschiedliche Denkweisen, die aus diesen Strukturen entstehen können. Das finde ich sogar nachvollziehbar, genau deshalb ist es wichtig zu erklären wie sich das beim Gegenüber dann anfühlt: Dieses Mindset führt unabhängig von seiner Ursache häufig dazu, dass das Gegenüber sich weniger als eigenständiger, interessanter Mensch und mehr als seltene Gelegenheit auf nicht-mehr-einsam-sein fühlt.

      Ich würde außerdem vermuten, dass wir gesellschaftlich gerade generell ein Einsamkeitsproblem haben. Und insgesamt versuchen sollten uns auch außerhalb von Paarbeziehungen erfüllende zwischenmenschliche Begegnungen und ein zufriedenes Leben zu schaffen. Das sollte nicht allein an der Partnerperson hängen, egal welches Geschlecht man hat: als Single muss man nicht einsam sein.